Gut besuchter Schaf- und Ziegentag im Hofgut Neumühle

Rund um Gesundheit, Tierwohl, Haltung und Management beschäftigten sich die Vorträge beim zweiten Schaf- und Ziegentag im Hofgut Neumühle bei Münchweiler an der Alsenz, den die Einrichtung des Bezirksverbands Pfalz in Kooperation mit dem Tierwohl-Kompetenzzentrum Schaf (TWZ) und dem Netzwerk Fokus Tierwohl für Interessierte organisiert hatte. Ziel war es, praxisnahes Expertenwissen an Haltende von kleinen Wiederkäuern zu vermitteln. Wie bereits im vergangenen Jahr wurde das Hofgut Neumühle vom Landesverband der Schafhalter/Ziegenhalter, dem Verein der Züchter Rheinland-Pfalz und dem Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter unterstützt. Dr. Christian Koch, Leiter des Hofguts Neumühle, Vertreter vom TWZ und Hannah Herres vom Netzwerk Fokus Tierwohl führten die zahlreichen Gäste durch den Tag.
Die Teilnehmenden informierten sich über aktuelle Projekte, unter anderem das Halten unkupierter Schafe mit langem, bewolltem Schwanz sowie die Zucht auf kürzere Schwanzlängen und dem damit verbundenen Tierwohl. Um dieses zu steigern, gelte es, das Management zu digitalisieren und Arbeitsprozesse effizienter und somit stressarmer für Mensch und Tier zu gestalten. Auch ging es um erhöhte Lämmersterblichkeit, Aborte sowie ein vermehrtes Aufkommen von Durchfällen bei erwachsenen Tieren und Lämmern. Die Fachleute resümierten, dass eine nachhaltige Schafhaltung ohne das Kupieren von Schwänzen möglich sei; Probleme entstünden meist unabhängig davon. Dabei betonten sie, wie wichtig eine tierärztliche Bestandsbetreuung sei. Berichtet wurde auch von ersten Zuchterfolgen, um die Schwanzlängen bei Schafrassen mit langen Schwänzen zu verkürzen.
Spannende Einblicke in das Denken und Verhalten von Ziegen zeigten, dass dieses zum einen durch deren Herdentrieb, dem maximalen Abstand zu anderen Tieren, und zum anderen durch den minimalen Abstand zwischen zwei Tieren beeinflusst werde. Herausforderungen entstünden insbesondere, wenn durch die Stallung der Minimalabstand erschwert werde oder der Anschluss zur Herde verloren ginge. Ob eine Ziege enthornt ist oder nicht, spiele eine große Rolle bei der Art und Weise, wie Ziegen interagierten. So würden sie bei Rangkämpfen eher den direkten körperlichen Kontakt meiden und ausweichen oder drohen, während enthornte Ziegen häufiger beißen. Neben Rangkämpfen zeigten Ziegen jedoch auch positive Sozialbeziehungen, beispielsweise lägen „befreundete“ Ziegen häufiger nebeneinander. Positive Verhaltensmuster könnten gefördert werden, wenn die Tiere von klein auf zusammen aufwachsen, „Freundinnen“ nicht getrennten würden, die Herde stabil gehalten werde und Neueingliederungen möglichst nur in Gruppen erfolgten. Auch die Gestaltung der Ställe hätte einen Einfluss, indem man Funktionsbereiche trenne sowie unterschiedliche Räume und entsprechende Fressplätze schaffe.
Darüber hinaus stand das Parasitenmanagement als eine dauerhafte Herausforderung bei kleinen Wiederkäuern im Mittelpunkt. Bekämpft würden Parasiten häufig mit Entwurmungsmitteln, deren Einsatz jedoch die Entwicklung von Resistenzen fördere, wodurch deren Wirksamkeit im Lauf der Zeit abnehme. Hier helfe es, strategisch vorzugehen, das heiße Kotproben zu entnehmen und zu untersuchen, um die Befallsintensität zu bestimmen und die Wirksamkeit des angewendeten Wirkstoffs zu überprüfen; vorbeugende Maßnahmen, damit die Tiere gar nicht erst erkranken, seien allerdings am effektivsten: Beispielsweise seien Portionsweiden, also unterteilte Flächen, oder ein Mäh- oder Pflegeschnitt empfehlenswert, da die meisten Parasiten sich bodennah aufhielten, was man dadurch verringern könne. Zudem sollten andere Stressfaktoren gemindert und die Tiere in guter Kondition gehalten werden.
Weitere Herausforderungen aus gesetzlicher Sicht, die an diesem Tag diskutiert wurden, seien schmerzhafte Eingriffe wie das Kupieren von Schwänzen, das Enthornen, die Kastration und auch die Tierkennzeichnung. Da könnte die Zucht von kürzeren Schwanzlängen und auf Hornlosigkeit Abhilfe schaffen; auch werde an chemischen Präparaten geforscht, um das Kastrieren zu vermeiden.
Die Erprobung der Nutzung von Agroforst-Systemen durch kleine Wiederkäuer, an der neben anderen Projektpartnern auch das Hofgut Neumühle beteiligt ist, bedeute eine Kombination von Gehölzen mit Acker- oder Grünlandflächen, die ökologische, ökonomische und soziale Vorteile biete. Gehölze könnten zur Gewinnung von Holz, Energie, Obst oder auch Futtermitteln genutzt werden. Insbesondere der Verbund mit Tieren sei vorteilhaft, da die Gehölze einerseits Schutz vor Witterung böten und andererseits als Futtermittel dienen könnten. Futterlaub sei aufgrund seines hohen Gehalts an Mengen- und Spurenelementen, seines hohen Eiweißgehalts, seiner guten Futterwerte und dank der Akzeptanz besonders interessant. Versuche hätten auch gezeigt, dass sich die ausgestoßenen Treibhausgase bei den Tieren reduzierten, wenn man das Heu mit Futterlaub ergänze. Abschließend konnten sich die Teilnehmenden auf der im Frühjahr angelegten Agroforstfläche des Hofguts Neumühle einen praktischen Eindruck verschaffen.
Ergebnisse interessanter Projekte vorgestellt: lebhafte Diskussion mit den Teilnehmenden | Foto: Gesa Krone |
Agroforst-System im Hofgut Neumühle: wurde im Frühjahr 2024 angelegt | Foto: Dr. Jason Hayer
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